Das Berufsbild MME EFZ vor der ersten Bewährungsprobe

VSRT-Sektionspräsident Herbert Schmid und Stephan Pabst vom VSRT- Berufsbildungszentrum Grenchen durften am 22. Februar in Zürich viele Ausbildungsverantwortliche aus den Zürcher Lehrbetrieben begrüssen.

Im Juni findet die erste Teilprüfung für die angehenden Multimediaelektroniker/innen mit Eidgenössischem Fachzeugnis (EFZ) statt. Sowohl die Auszubildenden wie die Lehrmeister und Prüfungsexperten betreten dabei Neuland. Um Angst vor dem ersten «Härtetest» abzubauen und die Lehrbe triebe darauf vorzubereiten, lud die VSRT-Sektion Region Zürich die Ausbildungsverantwortlichen Ende Februar zum Infoabend.

Herbert Schmid, VSRT-Sektionspräsident und massgeblich in der kantonalen Prüfungskommssion engagiert, war es ein Anliegen, Ängste abzubauen: So wies er darauf hin, dass im Kanton Zürich ein tolles Team an Experten die Auszubildenden darauf hin prüfen werde, was sie können, und nicht darauf hin, was sie nicht können: «Die Lehrbetriebe sind in der Regel strenger als die Experten.» Probleme sieht Schmid vor allem im teilweise mangelhaften Zeitmanagment der Jugendlichen: Eltern und Lehrmeister müssen den Lernenden dabei helfen, mit den zeitlichen Anforderungen umzugehen und sollten entsprechende Verbindlichkeiten schaffen.

Hohe Anforderungen an die Lernenden

Stephan Pabst vom VSRT-Berufsbildungszentrum Grenchen gab einen Überblick über die Anforderungen des neuen Berufsbilds MME EFZ an die Lernenden und an die Lehrbetriebe. Demnach sind die Auszubildenden und damit auch die Betriebe besonders in den ersten beiden Lehrjahren stark gefordert. Dafür stehen im 3. und 4. Lehrjahr im Normallfall dann bereits gute und brauchbare angehende Berufsleute zur Verfügung. Zurzeit befinden sich nur rund 70 Lehrlinge im 2. Lehrjahr der MME-Ausbildung, entsprechend ist das BBZ jedem Lehrbetrieb dankbar, der noch (oder wieder) ausbildet. Für den Herbst rechnet das BBZ mit 80 bis 100 neuen Lehrlingen.

Pabst appellierte in diesem Zusammenhang an die Lehrbetriebe, den Auszubildenden frühzeitig Verantwortung zu übertragen, damit sie die geforderten Arbeiten laut Lehrplan nach zwei Jahren selbständig ausführen können. Dank der Aufteilung in drei Schwerpunkte haben mehr unterschiedliche Betriebe die Möglichkeit MME auszubilden. In der Schule, wie auch in den überbetrieblichen Kursen haben alle MME den gleichen Stoff. Darum ist auch die Teilprüfung für alle gleich. Dies ist eigentlich der Abschluss der Grundausbildung. Die Individuelle praktische Arbeit (IPA) wird dann nach Schwerpunkt gemacht.

 

Im Rahmen eines Pilotprojekts dürfen angehenden Multimediaelektroniker die Plattform Realto nutzen.

Teilnahme an REALTO

Die Berufsbildung MME EFZ nimmt derzeit im Rahmen eines Pilotprojekts an der Lernplattform für vernetzte Berufsbildung, REALTO, teil. Dabei handelt es sich um ein Online-Kommunikationstool für Lehrlinge und Lehrmeister, welches Browser-basiert oder als Android-App zur Verfügung steht. Die Auzubildenden können darin ihre Aufgaben und Lernerfolge durch Fotos, Videos, Audio oder Texte erfassen und dokumentieren. Der Inhalt kann privat gehalten oder mit anderen Lernenden, Lehrpersonen und BerufsbildnerInnen geteilt werden.

So kann REALTO verwendet werden, um ein Lerntagebuch zu führen oder Lernberichte zu erstellen, die den Berufsbildnern zwecks Evaluation und für Rückmeldung übermittelt werden. REALTO will die Kluft zwischen den Lernorten Berufsfachschule und Arbeitsplatz in beide Richtungen überbrücken. In der Berufsfachschule können theoretische Konzepte durch praktische Beispiele aus dem Arbeitsplatz der Lernenden veranschaulicht werden.

Am Arbeitsplatz können praktische Erfahrungen durch verschiedene Medien erfasst werden und für theoretische Nachverarbeitung genutzt werden. Die MME-Berufsbildung kann REALTO vorläufig bis Ende Jahr im Rahmen eines Pilotprojekts nutzen. Nächstes Jahr weitergeführt wird dies nur, wenn die Plattform regelmässig benutzt wird. Die Chancen dafür stehen hoffentlich gut, weil die jungen Leute elektronische Medien ja lieber nutzen als Papier.

Lehrdokumentation ist Pflicht

Wie Stephan Pabst betonte, muss die Lerndokumentation von den Auszubildenden ausgefüllt werden. Dies ist vom Lehrbetrieb zu kontrollieren. Das ist auch im Interesse der Lernenden, denn sie können die Dokumentation zur Teilprüfung mitbringen und dann vom hoffentlich gut gefüllten Inhalt profitieren. Pro Semester sollte ein Bildungsbericht erstellt werden, über den sich dann etwaige Massnahmen zur Förderung der Auszubildenden definieren lassen.

Für die Lehrbetriebe von grosser Bedeutung ist der auf CD vorliegende elektronische Bildungsplan, der die konkreten Leistungsziele für die einzelnen Lehrjahre auflistet. Als unentbehrliches Nachschlagewerk genauso wichtig für die Fachbetriebe ist die «Dokumentation berufliche Grundbildung» , die auf der VSRT-BBZ-Homepage heruntergeladen werden kann.

Bereits rege genutzt wird eine Nullserie der Teilprüfung, die ebenfalls auf www.vsrt-bbz.ch zugänglich ist. Sie vermittelt einen guten Eindruck, was in der Prüfung auf die Teilnehmer zukommen kann. Selbst wenn die konkreten Aufgaben dann anders auffallen werden.

Achtstündige Teilprüfung

Die Teilprüfung umfasst die vier Bereiche «Analysieren und Ausmessen», «Beraten und Verkaufen», «Unterhalten, Reparieren und Ändern» sowie «Installieren und Inbetriebnahme». Der letzte Schwerpunkt wird dabei doppelt gewichtet. Wie die Prüfung in den einzelnen Kantonen ausfallen wird, ist zurzeit schwer abzuschätzen. Jetzt schon abzusehen ist, dass das neue Berufsbild Multimediaelektoniker/in mit Eidgenössischem Fachzeugnis höhere theoretische Ansprüche an die Lernenden stellt als das alte. So gesehen wird die Teilprüfung ein erstes Bild ergeben, wie die Auszubildenden mit den Anforderungen zurechtkommen. Nicht vergessen darf man dabei, dass sie nur einen Teil des Qualifikationsverfahrens darstellt: Ebenso wichtig ist die Individuelle praktische Arbeit (40 bis 100 Std.) entsprechend dem gewählten Schwerpunkt des Lernenden.

Alles in allem darf man gespannt sein, wie der erste Jahrgang MME EFZ zur Ausbildungs-Halbzeit abschneiden wird. Noch ist für die Lehrbetriebe und die Auszubildenden Zeit, etwaige Defizite wettzumachen. Wer die Teilprüfung dennoch nicht bestehen sollte, erhält eine zweite Chance und wird noch einmal antreten dürfen. //mf

www.vsrt-bbz.ch 

 
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